Tagtäglich tausche ich 24 Stunden meiner mir verbleibenden Lebenszeit gegen das Geld anderer Leute, verbringe sie mit Familie und Freunden, verwende sie dazu mich fit zu halten bzw mich schlafend von der Fithaltung wieder zu erholen, esse, trinke, verplempere Sie am Postamt und ähnlichen Institutionen oder dafür, kleine Notizen wie diese zu verfassen.

Zusammenfassend, recht alltäglich und in der Norm: 6-10 h Arbeit / 1-4 h Sport / 6-8 h Schlaf / 2-12 h Familie & Freunde

Interessant wird das ganze wenn man die einzelnen Faktoren Zeit, Training, Familie, Spaß oder Geld vor und zurück transferiert. Zeitreise quasi.

Dazu ein kleines Gedankenspiel:

Ich arbeite von 6 in der Früh bis 12, dann trainiere ich zwei Stunden, hole meinen Sohn um halb 3 vom Kindergarten ab, gehe mit ihm zum Fußballtraining und arbeite anschließend nochmals abends. Alle Faktoren stabil, alles in der Norm, flexible Arbeitszeit vorausgesetzt. Lucky me!

Erste Transaktion, für Anfänger:

Heute ist Freitag. Ich arbeite etwas weniger als Donnerstag, mein Ruhetag, trainiere dafür mehr als zwei Stunden. Durchaus verständlich. Somit habe ich mir mit der am Donnerstag zusätzlich in die Arbeit investierten Zeit heute die Freizeit erkauft, die ich zum Training verwenden kann. Dadurch leiden weder die Familienzeit, Training oder die Arbeitszeit auf das Wochenpensum gerechnet. Mit ein bißchen Geduld des Arbeitgebers ist auch das möglich, auch das Geld bleibt stabil. Ich tausche also nur einen Zeitfaktor in der Abfolge gegen einen anderen aus.

Bis hierhin wirklich ein KLEINES Gedankenspiel. Jetzt mal für Fortgeschrittene:

Ich leihe mir von der Bank einen beträchtlichen Betrag Geld um mir eine Wohnung zu kaufen in die ich umgehend einziehe. Die Bank verlangt natürlich einen beträchtlichen Zinssatz für diesen Luxus, den ich mir sonst unter gar keinen Umständen jetzt leisten könnte. Dafür muss man natürlich auf allerhand verzichten, schließlich will das ganze ja wieder zurückgezahlt werden. Ein Vierteljahrhundert lang malocht man nun dafür, geht abends früh ins Bett um am nächsten Tag wieder fit im Büro zu sitzen. Man fühlt sich jahrelang als Eigentümer von etwas, das einem eigentlich ja gar nicht gehört. Irgendwann, unter der Voraussetzung dass sich der 25-Jahre-Masterplan erfüllt, darf man dann etwas zurecht „SEINS“ nennen, dass man sich ohne die Zeitreise von Geld nicht hätte leisten können. Ein schöner Gedanke – keep going.

Das ganze kann man natürlich noch weiterspinnen:

Vor einigen Wochen war ich an einem Donnerstag zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Da ich wusste, dass ich zwangsläufig Alkohol in großen Mengen konsumieren würde und am folgenden Tag krank sein werde, musste die Zeit des Faktors Training für den Freitag schon am Donnerstag, eigentlich mein trainingsfreier Tag, konsumiert werden. Die Arbeitszeit die ich für das geplante Training am Freitag eigentlich immer am Donnerstag einarbeite, entfällt. Von Donnerstag auf Freitag habe ich überdurchschnittlich viel Spaß, leide aber am Freitag dafür komplett spaßbefreit und kann nicht die am Donnerstag durch das außertourliche Training verlorene Zeit einarbeiten. Mit ein bißchen Glück schaffe ich es die Familienzeit zumindest quantitativ auf Schiene zu halten, durch Schlafenszeit die ich mir Freitag Vormittag von der Arbeitszeit abzwicke.

Alkohol schafft es also scheinbar Spaß im Tausch gegen Geld durch die Zeit zu schicken. Der Spaß wird von Freitag auf Donnerstag Nacht transferiert. Der Schlaf hingegen von Donnerstag Nacht hin zum Freitag Vormittag. Diesen Spaßgewinn in der Nacht tausche ich über den Faktor Arbeitszeit am Freitag und somit gegen Geld. Alkohol und Geld scheinen also so eine Art quälende und schmerzhafte Zeitmaschine zu sein. Verblüffend! 😉