Nun ja, was soll ich sagen. Krise verlängert. War heute beim Wattener Bergrennen wiedermal so irgendwo zwischen 1:30 und 2 Minuten langsamer als letztes Jahr. Ganze Menge ist das. Bin ungefähr meine 2006er Zeit gefahren. Für Nichtradfahrer: das ist wie der Aufstieg aus der Regionalliga in die zweite Bundesliga und dann direkt wieder retour in die Regionalliga. Zero Speed derzeit!

Schnell, schneller, verwunderlich!

Was mich aber noch wesentlich mehr fasziniert als meine eigenen, grottenschlechten Leistungen, sind die Leistungen anderer Fahrer. Ich bin mal die Ergebnisse der letzten Jahre durchgegangen. Eieiei, was einem da nicht alles spanisch vorkommt. Vorab zu meiner Tirade: nein, es ist nicht der Neid der hier aus mir spricht, es sind Tatsachen die einem Blinden mit Krückstock wohl komisch vorkommen würden.

Von Leistungsexplosionen und „Talenten“

So hat einer der derzeit stärksten Radfahrer Tirols im fernen Jahre 2006 schon mal +/- 28:30 gebraucht für dieselbe Strecke. So ein Talent aber auch! Der hatte damals einfach noch nicht richtig trainiert oder? Oder hat er? Naja, fanatisch genug war er auf jeden Fall auch schon vor 6 Jahren, bevor der plötzlichen Explosion.

Bei anderen Fahrern fällt einem derzeit mal wieder der irrsinnige Leistungssprung auf, der sich in den letzten 3 Jahren vollzogen hat. Begründung: „Ja mei, ich trainier halt soviel.“ Na und, vorher gar nichts gemacht? Und ich trainier nicht viel? Schon eigenartig, und das ganze in einem Alter in dem einem jeder vernünftige Sportarzt nur noch kleine Sprünge auch bei wirklich viiiiiel und qualitativ hochwertigem Training zuspricht.

Ein anderer Fall, auch heuer einer der Siegfahrer und allerschnellsten Athleten. 2010 hab ich den Burschen auf den Achensee rauf abgehängt, 2012 gewinnt er die Rennen am laufenden Band und das noch ziemlich souverän. Mein lieber Schwan, ist der jetzt ein Mördertalent oder nicht? Denn dann hätte er mich doch auch in mittelmäßiger Form locker abhängen müssen.

Sad but true!

Vorweg mal eines: der liebe Gott hat jedem von uns ein Schärflein Talent in die Wiege gelegt, dem einen mehr, dem anderen weniger. Geben wir dem kryptischen Wort Talent mal einen Namen, sagen wir VO2 max.. Leute mit viel Talent können andere mit weniger auch mit wenig Trainingsaufwand versenken, egal ob in Topform, im Dezember, zu Saisonanfang oder zu Saisonende. Mit Training kann man sich maximal dem eigenen Limit annähern, mehr aber auch schon nicht. Wer die eigenen Möglichkeiten pulverisiert, der MUSS an anderen Schrauben drehen. Das ist traurig, aber wahr.

Ich fahre nun seit 10 Jahren Rennen. Ich bin auch schneller geworden, keine Frage. Ich habe mehr und besser trainiert, bin ein wenig älter geworden und habe mich verbessert was das Material betrifft. Ich habe es allerdings nicht geschafft, mich in andere Sphären zu katapultieren. Ich bin von einem mittelmäßig guten Fahrer zu einem guten Amateur geworden (derzeit nicht, nur ums nochmals zu sagen).

In diesen 10 Jahren habe ich allerdings sehr viele Fahrer gesehen, die von schlechten bis mittelmäßig guten Fahrern zu Siegfahrern und Topleuten im Amateur- und Elitebereich geworden sind. Die haben vorher auch trainiert, alles werden sie wohl hoffentlich auch nicht falsch gemacht haben. Vielleicht trainieren sie nun mehr, besser, ernähren sich besser und haben leichtere Räder. Sprünge im mittleren Minutenbereich auf einen knappe halbe Stunde Fahrzeit innerhalb von 1-2 Jahren, das meine Herren ist unmöglich.

Alle die sich angesprochen fühlen: das ist gut, genau das war meine Absicht. Sollte sich jemand in diesem Geschreibsel wiedererkennen und es beim Leben oder Grab seiner Mutter wirklich mit fairen und sauberen Mitteln schaffen seinen Körper aufs Maximum zu stählen, dann möchte ich mich im Vorhinein für die Anschuldigung entschuldigen und ihm dazu gratulieren. Alle die sich zurecht ertappt fühlen: Ich beneide euch nicht, so wie mir das mal vom Großmeister der Tiroler „Amateure“ vorgeworfen wurde. Überlegt mal, wen eure Leistungen interessieren. Kleiner Tipp: NIEMANDEN außerhalb unserer Szene. Innerhalb der Szene kann jeder vernünftige Fahrer einschätzen wie eure Leistungen zustande kommen.

Alle die sich nicht angesprochen fühlen: macht euch nichts draus wenn euch mit einem Mal andere, schwächere Fahrer um die Ohren fahren. Ich für meinen Teil bin derzeit ein wenig down. Das macht nichts, ich werde auch weiterhin bei den Rennen am Start stehen und mich abhängen und demoralisieren lassen. Für kurze Zeit überwiegen Ärger und Verwunderung, einmal nach einem Rennen drüber schlafen und gut ist die Sache aber. Jeder von uns, der sich Tag für Tag abstrampelt im Training und am Wochenende am Start steht tut es für sich selbst. Jeder, der dabei betrügt, betrügt sich ebenfalls selbst.