Vor einiger Zeit hatte ich auf meiner Seite einen Beitrag veröffentlicht, der für einigen Wirbel sorgte. Ich wurde damals von vielen Radsportlern und Involvierten rundherum für meine Meinungsäußerung beglückwünscht, von einigen kritisiert und als Spinner, Neidhammel und Miesmacher abgetan. Ich hatte keine Namen genannt, auch wenn jeder mit 2 Augen und ein bisschen Hirn im Kopf sich denken konnte, wer gemeint war.

Vor knapp 2 Wochen war es dann so weit: Ich bekam eine Meldung dass es einen positiven Dopingfall zu Ende der Saison bei der Österreichischen Meisterschaft gab. Ich wurde allerdings gebeten, damit noch hinterm Berg zu halten. Am Freitag veröffentlichte die Tiroler Tageszeitung dann den Artikel, der in den letzten Tagen für viel Emotion und Diskussion sorgte.

Tja, ich habe natürlich ein Gefühl der Genugtuung nicht unterdrücken können. Auf der einen Seite ist es befriedigend Recht zu haben, auf der anderen Seite ärgern mich viele der Kommentare die nun im Internet zum Fall die Runde machen. Leute, die den digitalen Daumen nach oben nach den Erfolgen des Betroffenen abgegeben haben, urteilen diesen nun teils unter der Gürtellinie ab. Vom „Beschten“ zum Buhmann und Arschloch ist es scheinbar ein noch kleinerer Schritt als ich es ohnehin schon vermutet habe. All die Schulterklopfer, die jetzt drauftreten, dürfen sich aber ruhig mal fragen ob sie den schlimmen Sünder in Zeiten des Erfolgs nicht durch ihre Kommentare und Ermunterungen unterstützt und zu einem klitzekleinen Teil mitgeformt haben. Westentaschenpsychologie, klar, trotzdem…. Ich hoffe auf eine sonderbare Art und Weise sogar, dass diejenigen die ihn in guten Zeiten unterstützt haben auch jetzt zu ihm stehen. Mitleid ist das falsche Wort, zu beneiden ist der arme Kerl nicht, auch wenn er selber an dem Schlamassel Schuld trägt.

Wunschdenken…

Was ich mir statt dem Nachtreten auf den, der ohnehin schon am Boden liegt, wünschen würde, ist ein Nach- und Umdenken. Statt zu applaudieren und fleißig Likes zu verteilen, darf man gewisse „Top-Leistungen“ und Fakten von den üblichen Verdächtigen ruhig auch mal mit ein wenig Skepsis betrachten. Nicht dass ich mir einen Generalverdacht bei jedem Podiumsfoto herbeisehne, es muss aber doch jedem vernünftigen Menschen zum Denken bringen was in den letzten Jahren im Amateurradsport und der sogenannten Hobby- und Marathonszene abging. Weiters hoffe ich, dass zukünftig öfter kontrolliert wird und nicht nur die Sportler, sondern auch die Lieferanten, Trainer, Verschreiber und sonstigen Möglichmacher im Rahmen des Antidopinggesetzes bei Verstößen zur Rechenschaft gezogen werden. Dass dieser Fall nicht der einzige sondern nur die Spitze des Eisbergs ist, dürfte wohl hoffentlich jedem klar sein.

… und Realität

Was allerdings tatsächlich passieren wird, kann ich mir jetzt schon ausmalen. Auch kommende Saison werden wieder Spitzenleistungen von lizenzfreien Sportlern erbracht werden. Flächendeckende Dopingkontrollen werden auch weiterhin nicht stattfinden. Der gefallene Held wird von der Szene ausgeschlossen und vergessen und zur Randnotiz verdrängt der Sündenbock bleiben. All jene die davongekommen sind werden wohl gleich weitermachen und sich auch weiterhin auf die Schulter klopfen lassen. Und all die braven Schäflein werden auch 2015 wieder artig jubeln über schmutzige und unfaire Sportsmänner, die sich zu Siegern küren lassen.