Da war die Welt noch in Ordnung...

Da war die Welt noch in Ordnung…

Nichts ist kostbarer als Zeit. Fällt mir immer öfter auf. Aktueller Anlass war gestern der Jahrestag meiner Karenz. Das war 2009. Ist also 4 Jahre her. WAAAAAAAAAAAHHHHH! 4 JAHRE? Was ist da passiert? Hat jemand die Fast Forward Taste gedrückt ohne dass ich es gemerkt habe? Bei der realistischen Annahme, dass ich als sportlicher Nichtraucher 100 Jahre alt werde (*hüstel*, sehr bescheiden, ich weiß) wären das 4% meines gesamten Daseins auf Erden.

Noch schlimmer: letztens habe ich mir eines meiner Lieblingsalben, Appetite for Destruction von Guns´n´Roses, reingezogen. Nein, angehört ist besser. Passt besser zu einem 32er als reingezogen. Als ich habs mir angehört. Klingt noch immer gut. Obwohl schon 1987 aufgenommen. Quasi der neue, heisse Scheiß. Vor sagenhaften 26 Jahren also. Die Prozentangaben meines Gesamtlebens erspare ich euch. Zu traurig. Nur zum Vergleich: als ich 1991 erstmals Guns´n´Roses für mich entdeckte, war Jim Morrison, anderes Jugendidol, gerade mal 20 Jahre unter der Erde. Rückblickend berachtet ware damals alle die den lebendig erlebt haben schon alte Menschen. Sprich: ich bin für Retro-G´N´R-Hörer im Teenageralter alt. Ein Wrack sozusagen. Dem Club 27 könnte ich seit 5 Jahren schon nicht mehr beitreten.

Also, Fakten bitte

  • In meiner Wohnung in der ich seit 2004 bin, lebe ich nun schon wesentlich länger mit Nachwuchs als ohne.
  • Als meine Eltern 32 waren, war ich 9. Jetzt sind meine Eltern am besten Weg in die Pension. Natürlich bin ich mit 32 viel cooler als die es damals waren. Eh klar.
  • Sohnemann geht nächstes Jahr in die Schule. Ich kann mich ja noch an meinen ersten Schultag erinnern als wäre es gestern gewesen. War übrigens mein 7. Geburtstag. Wieder ein Vierteljahrhundert im Zeitraffer. Autsch!
  • Übrigens: wenn ich 35 bin, ist Constantin 7. Ich bin dann 5 x so alt.
  • Meinen Trauzeugen Heinrich kenne ich seit ich 11 bin. 21 Jahre.
  • Vor 16 Jahren irgendwann bin ich mit dem „Novum“ Internet erstmals in Berührung gekommen. Sprich das gibt es schon mein halbes Leben lang.
  • Computer, Stichwort. Mein Macbook ist auch bald 2. Ist das nicht neu? Nein, definitiv nicht.
  • Achja, mein erster war ein C64. No comment.
  • Ich arbeite seit 2002. 11 Jahre. Bei 14 Jahren Schulbildung ist wirklich lang ohne dass es mir so vorkommt.
  • Vor fast drei Jahren zum letzten Mal als Angestellter malocht. Kommt mir gar nicht so lange her vor. Aber: ich habe auch schon den zweiten Computer in Arbeit.
  • Mein Alter, 32 kann man bis 1 durchteilen. Das passiert mir zum nächsten Mal wenn ich 64 bin. Und zwar zum letzten Mal, wenn ich nicht bis 128 durchhalte.
  • Lauter alte Männer

    Lauter alte Männer

    Das tolle daran: die meisten meiner Freunde sind genauso alt. Und sie kommen mir nicht alt vor. Das heißt, ich komme ihnen auch nicht alt vor. Natürlich, ich bin gut erhalten und strahle dank meines tadellosen Lebenswandels Jugendlichkeit im Überfluss aus (nochmals, *hüstel*) und meine Schale sowie mein kindliches Gemüt werden wohl noch ein wenig den nagenden Zahn der Zeit unbeschädigt überstehen. Wenn ich aber Eltern von anderen Kindern die im selben Alter sind wie mein Sproß ansehe, die ich eben nicht kenne seit ihren Jugendtagen, wird mir schon schwummrig. Lauter Erwachsene. Und mein Sohn, der hat richtig Respekt vor mir. Als wäre ich selber ein Erwachsener.

    Es ist also nur noch eine Frage der Zeit bis ich mir mein eigenes Alter eingestehen muss. Anscheinend schrumpfe ich schon seit 2 Jahren. Mit 100 bin ich dann nicht mal mehr 180 groß wenn das tatsächlich stimmt dass man pro Jahr 1 cm eingeht. Ich passe dann in einen Sarg M-Size. Zum Glück merke ich noch nichts. Auch die Falten lassen noch auf sich warten. Und der fehlende Bartwuchs spielt mir auch in die Karten. Nur nach dem Ausgehen, da merke ich es schon lange. Ich packs nicht mehr. Freitag abend ausgehen bedeutete früher Samstag abend erneut ausgehen um sich dann Sonntag im Kino auszurasten. Jetzt heißt Freitag abend ausgehen dass ich Samstag krank und Sonntag rekonvaleszent bin. Erster Tag wo man mich wieder zu etwas gebrauchen kann, ist dann frühestens der Montag.

    Und was wird das jetzt?

    Nein, ich will damit nicht sagen, dass man so alt ist wie man sich fühlt. Ich bin mir sicher dass sich meine Oma mit 87 auch nicht fühlt wie 87. Keiner fühlt sich so alt wie er ist. Und nein, ich will auch nicht sagen dass es cool ist älter zu werden. Das ist es nämlich nicht. Nicht dass ich irgendwie Paranoia habe wenn ich daran denke dass ich schon fast ein Drittel der prognostizierten 100 Jahre Lebenszeit aufgebraucht habe, aber der Sensenmann rückt mit Babyschritten näher. Und schon gar nicht will ich sagen dass JETZT die beste Zeit meines Lebens ist. Jede Zeit bisher war die beste Zeit. Mir geht es jetzt gut, genauso wie es mir mit 20 und mit 10 gut gegangen ist. Auch will ich euch nicht daran erinnern dass ihr jeden Moment auskosten solltet als wäre es euer letzter. Im Normalfall ist er es nämlich nicht. Ihr habt noch viele potentielle letzte Momente zum Auskosten oder Verplempern vor euch. Hoffe ich zumindest. Und wenn ihr sie nicht auskostet, ist mir das Wurscht.

    Ich wollte es eigentlich nur mal angemerkt haben. So. Mich hat das zu schreiben nun um die 30 Minuten gekostet. Und viel Spaß gebracht. Jeden von euch es zu lesen um die 2 Minuten. Oder 3? Je nachdem ob ihr wirklich gelesen oder nur in der Manier der jungen Menschen, die mit dem Internet groß geworden sind (*ARGL*), gescannt habt. Ich hoffe ihr hattet beim Lesen ebenso viel Spaß wie ich beim Schwadronieren. Vielleicht werden die Minuten die ich euch gestohlen habe mir ja gutgeschrieben? Wie einem Vampir, wenn er anderen Leuten das Blut aussaugt. Twilight. Oder für die älteren, die cooleren unter uns: From Dusk till Dawn. Bei 100 Lesern wären das dann 300 Minuten. Sprich ich habe 270 Minuten gewonnen. Das sind dreieinhalb Stunden. Genau so lange war ich gestern übrigens radfahren. So, Zeit aufzuhören, sonst verliere ich wieder einige von den 270 frischen Minuten. Und das wäre ja schade drum. 😉