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Manchmal frisst der Bär dich, manchmal frisst du den Bären.

Manchmal verkackt dir eine knappe Minute das Ergebnis und manchmal verkackst du eine Minute und es reicht trotzdem für die Goldmedaille.

Nach einem ziemlich bescheidenen Winter mit einigen kleineren Wehwehchen und Verletzungen konnte ich die letzten gut 2 Monate anständig und solide trainieren. Endlich war es soweit: Gemeinsam mit Thomas und Günter stand ich bei kühlen Temperaturen in Linz an der Startlinie. Thomas schätzte sich auf 2:30 ein, Günter wollte 2:40 angehen und ich die 2:34 endlich knacken, wobei ich vorhatte nicht volles Risiko zu gehen um nur ja nicht die Meisterschaft in den Sand zu setzen.

Ich ging die Sache recht locker an. Gemeinsam mit den Halbmarathonläufern verstrichen die ersten 10 km wie im Flug. Erstes Maurten Gel geschluckt – brav mit Wasser runtergespült – der Magen hält. Zeit passt auch mehr oder minder. Kurz darauf die quälende Sicherheit, dass die Kälte meine Blase wohl auf Erbsengröße schrumpfen ließ und ein Lulustopp unumgänglich werden würde. Bei circa 15 erster Boxenstopp im Grünen. Erstaunlich: ich ärgerte mich nicht und wurde auch nicht nervös sondern nahm die kurze Verzögerung mit stoischer Ruhe auf. Als ich 10 Kilometer später merkte, dass wohl auch ein großes Geschäft unvermeidlich werden würde, war das Stoische dann allerdings stark im Wanken. Der Körper ist aber in solchen Situationen sehr bestimmt und nimmt einem die Entscheidung, ob ein zweiter Boxenstopp nötig ist, unerbittlich ab. Es war quasi ein echtes Ausscheidungsrennen 😉

Zu den Blasen-Darm Schwierigkeiten gesellte sich ab dem Halbmarathon noch gepflegter Wind dazu. Vor den letzten 10 Kilometern gönnte ich mir mein drittes und letztes Gel des Tages. Jetzt wurde es tatsächlich doch noch zach. Dank der unerwünschten Pausen war die Chance auf die 2:34 schon längst dahin, für die Teamwertung holte ich aber nochmals alles raus was die Muskulatur hergab.

Körper: Ich mag nimma.
Ich: A geh. Is nimma weit.
Körper: OK. Aber lauf ein bissl langsamer.
Ich: Komm jetzt, einen schnellen noch. Dann machma langsamer.
Körper: OK. Der schnelle is um. Machma jetzt langsamer?
Ich: Ernsthaft. Blödsinn. Einen schnellen haben wir noch drauf.

Anders als in Berlin oder Wien behielt ich diesmal die Oberhand. Nach 2:36.02 überquerte ich die Ziellinie auf dem 11. Gesamtrang. Verdammt – die Wunschzeit hatte ich im wahrsten Sinne des Wortes verkackt.

Jetzt begann das Warten. Thomas hatte sich in wirklich unglaublichen 2:24 den Staatsmeister geholt. Was für ein Typ. Prognostiziert 2:30 und läuft dann sechs Minuten schneller. Zombie! Günter trudelte nach 2:43 ein. Nach seinen Problemen an den Tagen davor ebenfalls eine unglaubliche Leistung. Zum Glück fühlte ich mich nicht so schlecht wie die beiden aussahen. Fürchterlich. Die Augen waren so tief in den Höhlen, das muss schon am Hinterkopf geschabt haben.

Im Hotelzimmer bekamen wir schließlich die Nachricht, dass wir es tatsächlich geschafft hatten. Gold im Team! Großartig. Vor zwei Jahren in Bregenz fehlten uns 52 Sekunden auf die Goldmedaille bei der Österreichischen Marathon Meisterschaft in der Mannschaft. In Linz waren es 52 Sekunden Vorsprung, mit denen der unfassbar schnelle Thomas Roach, Kämpfer Günter Schneider und ich über Gold jubeln konnten. Karma strikes back!

Was bleibt von Linz, außer der Medaille? Zu allererst die Überzeugung, dass Linz die lässigere Strecke ist als Wien. Es ist kein ganz großes Kino, dafür sind auf der zweiten Hälfte einfach zu wenig Teilnehmer unterwegs.

Ich finde es natürlich schade, dass ich meine Zielzeit nicht erreicht habe. 2:36.02 sind zwar neue PB, ohne die Problemchen wären sich die 2:34 aber wohl ausgegangen. Ärgerlich, aber davon geht die Welt nicht unter, habe ich doch die Gewissheit dass…. ach was, jetzt kommt die Fahrradkette, das lasse ich lieber bleiben.

Natürlich war der Marathon wie immer eine zache Sau, ich hatte aber keinen ernsthaften Einbruch. Die Maurten Gels bewahrten mich vor dem Hammermann. So richtig locker läufst die 42.195 nie, zumindest aber konnte ich danach mit Anstand zum Hotel zurückschleichen und war am nächsten Tag nur Dreiviertel statt komplett tot.

Ich habe meine zukünftigen Marathonambitionen auch ein wenig von diesem Rennen abhängig gemacht. Bei einem erneuten Kollaps wäre mir vermutlich die Lust vergangen. Bei Erreichen der 2:34 hätte mich vermutlich die Motivation verlassen. So gesehen – alles perfekt gelaufen. Wo genau ich starte habe ich noch nicht entschieden – dass ich mich nochmals dem Marathon stellen möchte habe ich schon für mich entschieden.

Was mich am meisten gefreut hat? Die Güldene natürlich. Es war aber auch toll zu sehen wie mein Sohnemann Consti mit seinem Papa mitfiebert. Ein Elfjähriger, der tatsächlich bei aller Cooles stolz auf seinen Erzeuger ist, das ist wohl ganz selten.

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