Vor etwas über zwei Monaten, als ich mein Lauftraining startete, war eine Halbmarathonzeit in 1.15 mein Traum. In der intensiven Phase der letzten Wochen korrigierte ich mein Ziel realistischerweise auf 1.17 – 1.18 nach oben. Gestern hat sich mein Traum erfüllt.

Fünf Läufer/innen vom SK Rückenwind stellten sich der Herausforderung, Christian nahm sogar die vollen 42,195 km ins Visier. Um 09.00, mehr oder minder ohne Warm-Up, erfolgte der Startschuss. Schnell fand ich einen angenehmen Rhythmus, immer knapp unter den 3:36 Minuten pro Kilometer die für 1.16 Endzeit nötig waren. In Radfahrer- & Lutschermanier klemmte ich mich dicht an die Fersen eines erfahrenen Marathonista, der die Kilometer wie ein Uhrwerk abspulte. Die erste Hälfte war laut Streckenplan die schwerere. In knapp unter 36 Minuten passierten wir die 10 Kilometermarke. Ich fühlte mich noch immer sehr gut und locker. Keine Schmerzen an der Hüfte, keine Übersäuerung in den Waden, kaum Seitenstechen, das ich als Nichtläufer oft im hohen Tempo bekomme. Wie ein Schatten markierte ich den Läufer vor mir, der jetzt etwas das Tempo anzog. Bei Kilometer 15 waren wir schon ein Stück vor der Marschtabelle 1.15:59. Jetzt war ich mir fast sicher dass ich es schaffen würde. Die Beine wurden zwar langsam etwas schwerer, aber noch keine Spur der Verlangsamung im Tempo. Kilometer 20, ein Blick auf die Stoppuhr. 1.14:59 könnten drin sein. Ich sammelte alle Energie und beschleunigte nochmals. „Dai, tieni duro,“ ermunterte ich meinen Begleiter / Pacemaker und zog an ihm vorbei. Die Zuschauer feurten uns an, von einem Ordner hörte ich „Settimo e ottavo…“. Was? Siebter? Unglaublich! Zielgerade – Mist, geht sich nicht aus mit den 1.14 – aber egal. Mit einem Jubelschrei hüpfte ich in 1.15:15 Bruttozeit über die Linie.

Am Ende war es eine Nettozeit von 1.15:10 und der 7. Platz in der Gesamtwertung im Halbmarathon, der wohl nicht besonders gut besetzt war. Egal – irre! Hätte mir das vor 2 Wochen jemand prophezeit, ich hätte es mir nicht mal vorstellen können. Klar, es mischte sich eine Spur Bitterkeit über die sehr knapp verpassten 1.14 mit in die Gefühlswelt – unterm Strich überwiegt aber die Freude über die tolle Zeit. Vor allem im Vergleich zum Vorjahr, als ich mich kränkelnd knapp unter 1.20 ins Ziel schleppte, war es gestern ein Genuss! Von Anfang bis zum Ende konnte ich den Lauf problemlos genießen. Der beste Beweis dafür ist der Negativsplit, der wohl auch von Strecke und Windverhältnissen begünstigt wurde. Hier der Lauf auf Strava

Fredi, der leider komplett außer Form ohne persönliches Ziel in den Lauf gestartet war, begleitete Christian auf seinem Marathon bis zur Abzweigung bei der 19 km Marke. Christian konnte seine persönliche Bestzeit knapp nicht unterbieten und finishte in 3.14. Sophia schaffte in 1:32 eine neue persönliche Bestzeit und erreichte in ihrer Altersklasse den 3. Rang. Adrian blieb im ersten Halbmarathon mit 1.44 deutlich unter 2 Stunden.

Verona Halbmarathon 2015