Einführende Anmerkung: Folgende Zeilen wurden nicht im Frust über mangelnde Ergebnisse und Erfolge meinerseits geschrieben. Ich möchte auch nicht jeden schnellen Radsportamateur anpatzen. Ich erkenne Leistungen an und bin mir sicher, dass ein großer Teil der Radsportler Top Leistungen sauber erbringt. Nicht jeder Sieger dopt. Ich bin mir allerdings auch sicher, dass viele sehr wohl nachhelfen. Der Zugang zur unsauberen Leistungssteigerung ist ein leichter, das weiß ich aus Erfahrung ohne dass ich jemals auf diese Mittel zurückgegriffen habe.

Weiters möchte ich schon jetzt festhalten, dass ich mich über offene Anfeindungen jedweglicher Art ebenso freue wie darüber, dass mir andere saubere Rennfahrer und Radsport Zuschauer zu meiner offenen Meinungskundgabe hinter vorgehaltener Hand beipflichten. Im digitalen Netzwerk Nummer 1 darf ich leider jetzt schon nicht mehr Freund von jedem sein und auch in der realen Welt muss ich ohne Shakehand mit so manchem Mitstreiter auskommen. Drauf gesch*****!

Zu faul, zu dumm, zu wenig Talent?

Seit Mitte der 90iger fahre ich Rennrad. Anfangs noch auf sehr sehr bescheidenem Niveau habe ich mich innerhalb der überschaubaren Zeitspanne von 17 Jahren zu einem Amateurfahrer auf bescheidenem Niveau hochgeradelt. Bescheiden heißt, weit weg vom Profi, ebenso weit weg aber vom Hobbyradfahrer der ohne Leistungsgedanken nur zum Spaß seine Runden dreht. Leider bedeutet bescheiden aber auch, dass ich weit weg von der Spitze der Amateure in Tirol, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, bin. Das mag mehrere Gründe haben.

  • Ich trainiere für einen Berufstätigen (das nämlich genau möchte das Wort Amateur ausdrücken! Jemand, der nicht Profi ist!) zu wenig. Mit 12-15 Trainingsstunden in der Woche mehr oder minder das ganze Jahr über, ist man für den Amateurstatus wohl unterqualifiziert.
  • Ich habe kein Talent. Mit nicht ganz 70 kg auf 186 und einem VO2max von 78 mL/(kg·min) bin ich wahrscheinlich zu schwer für einen Amateurradfahrer. Oder zu leicht? Wenn man sich die Ergebnisse der letzten Jahre so ansieht, lässt sich das nicht genau sagen.
  • Ich investiere zu wenig in den Sport. Keinen Alkohol, Obacht bei der Ernährung, Material vom Feinsten und Trainingsplan reichen wohl einfach nicht aus um bei einem Amateurrennen auf den ersten 1000 m nicht sofort den Kontakt zur Spitze zu verlieren. Wahrscheinlich liegt´s am regelmäßigen Geschlechtsverkehr!

 

Wildwuchs Radsport

Der Amateurradsport in Österreich ist ein Wildwuchs. Eigentlich der Radsport in Österreich generell. In welcher Kategorie man sich an den Start stellt, ist jedem selbst überlassen. Berufsradsportler mit Amateurlizenz, Amateure die schneller als Berufsradsportler fahren, Sportklassefahrer die diesen Amateuren um die Ohren rauschen und und und… die Liste der Lächerlichkeiten ist eine lange. Das ganze erfolgt unter strengem Ausschluss von Doping- und sonstigen Kontrollen. Besonders lustig sind diejenigen Fahrer die ohne Lizenz, und somit außerhalb jeglichen Reglements, Leistungen wie Profis erbringen und dann dem bösen, bösen Verband die Schuld geben dass sie mit Lizenz bei Radmarathons nicht starten dürften. Bullshit!

Amateure besser als Profis?

Laut einem Artikel in der Gazzetta den ich kürzlich gelesen habe, beträgt die maximale Leistung von Höhenmeter pro Stunde die die WELTBESTEN Profis sauber erreichen können um die 1670 HM/h. Dieser VAM gibt die Leistungsfähigkeit an. Werte wie die 1800-1900 HM/h von Leonarde Piepoli, Iban Mayo und wie sie alle heißen, sind also absolute Fabelwerte aus der Giftküche. In einem anderen Artikel wird über den Wert Watt/kg diskutiert. Die Topfahrer Peraud, Pinot, Valverde, Van Garderen und Bardet wurden mit circa 5,7 Watt/kg eingeschätzt. Diese Werte werden laut Eigenangaben, wenn man sie durchrechnet, von unseren Siegern auch angegeben.

Zur Betonung: Die WELTBESTEN Profiradsportler erreichen diese Werte. Kratzen also Amateure an diesen Werten, sollte man sich das mal im Verhältnis in anderen Sportarten zusammendenken. Contador zu einem österreichischen Amateur verhält sich wie Real Madrid zum FC Wacker Innsbruck. Und leider würden die Grünschwarzen aus der zweiten Bundesliga ja auch nicht regelmäßig Unentschieden gegen den Champions League Sieger erreichen.


Echte Typen – was es nicht alles gibt

Ich habe in den letzten 10 Jahren viel in dieser Szene miterleben dürfen. Einige Fahrer sind immer schnell. Das sind die Talente. In kaum einem Training oder Rennen konnte ich die besiegen. Ein Manuel Natale müsste wahrscheinlich 5 Bier trinken dass ich ihn abhänge, egal ob wir im November einen Waldlauf machen oder im Sommer radfahren gehen!

Dann gibt es die, die +/- gleich schnell sind wie ich. Die Amateure eben mit gutem Talent und viel Trainingseifer. Mal hat der eine die Nase vorn, mal der andere. Einer ist besser auf steilen Rampen, der andere bei Marathons oder im Zeitfahren. Ganz normal, aber jeder kann jeden jederzeit besiegen. Das sind die Leute mit denen ich mich gerne am Wochenende messe.

Und dann gibt es noch die Phänomene. Rennfahrer die von 0 auf 100 durchgestartet sind um wenig später wieder im Nirvana der sauberen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Rennfahrer, die immer hinterher fuhren, um plötzlich zu Seriensiegern zu mutieren (Wort bewusst gewählt!). Rennfahrer, die sich im Mai abhängen lassen um 2 Wochen später um den Sieg bei einem top-besetzten Rennen mitzufahren. Quereinsteiger mit klar ersichtlichem Talent für alles außer Ausdauersport am Berg die unglaubliche Leistungen erbringen. Sachen gibt´s die gibt´s gar nicht.

Leistungssteigerung im Rahmen des Möglichen und darüber hinaus

Leistungsexplosionen biblischen Ausmaßes von einer auf die nächste Saison sollten immer mit Argwohn beäugt werden. Ich unterstelle den meisten Athleten dass sie ordentlich trainieren und sich an ihre Leistungsgrenzen tasten. Die sind eben irgendwann mal erreicht. Und wenn dann mal locker auf Steigungen wie dem Kitzbüheler Horn die eigenen Zeiten um 5-6 Minuten unterboten werden, von einer Saison auf die nächste, was soll uns das dann sagen? Tja, der hat wohl einfach noch besser trainiert. Oder vorher richtig schlecht. Und das Rad, ja, das ist nicht mehr 7,2 kg schwer sondern nur noch 6,7 kg. Oder es wurde halt eben sonst wo nachgeholfen. Jetzt kann sich jeder seine Version der Geschichte aussuchen die am besten in sein Bild von der heilen Amateurwelt passt.

Faszinierend dabei ist die Blauäugigkeit von Schulterklopfern, Fanboys & Fanettes dieser „Ausnahmeerscheinungen“ sowie von Redakteuren a la radstars.at. Besonders wenn die Leistungen so auffällig und augenscheinlich nicht mit rechten Mitteln hergehen, wäre es interessant ob die Damen und Herren das ganze tatsächlich nicht durchschauen oder trotzdem schmerzbefreit ihre Artikelchen weitertippen. Eifrig werden ganz offensichtlich nicht mit rechten Mitteln zustande gekommende Leistungen von Leuten die sich, Trainingseifer will ich ja niemandem absprechen, mit unlauteren Mitteln vom Durchschnitt zum Sieger machen, beklatscht. Ich bleibe schon seit Jahren nicht mehr zur Siegerehrung. Auch wenn ich es aufs Podium schaffe, ist mir das a) zuviel Zeitaufwand und b) schlicht und ergreifend zu blöd.

Memories, sweet meeeeeeemories!

Das waren noch Zeiten, als wir über den Brenner schauen durften um sagen zu können: „Also de Wallschen, bei de geht´s ja sicher nicht sauber ab. Solche Zeiten san ja unmöglich…“ Die italienischen Trainingsmethoden haben wohl auf den sauberen Norden übergegriffen. Versteht man natürlich irgendwie, wer will sich schon jedes Wochenende gnadenlos von der Konkurrenz abwatschen lassen?

Ich erinnere mich an einen Rennfahrer der stets weit hinterher gefahren ist. Der arme Kerl wurde immer etwas belächelt, da es trotz Training und Fleiß wie bei keinem anderen einfach nicht reichte. Von einem Jahr aufs nächste wurde er dann schneller. Massiv schneller. Irgendwann war er ganz vorne mit dabei bei den am stärksten besetzten Rennen. Ich kann mich noch erinnern wie er mit Schaum um die Lefzen im Ziel lag wie ein tollwütiger Hund. Mittlerweile fährt er gar nicht mehr.

Diese Liste könnte man ins endlose weiterführen. Magenblutungen, Rennradler die vom Zoll am Münchner Flughafen wegen Spritzen im Gepäck gefilzt werden, die unbedingte Notwendigkeit eines Kühlschranks am Hotelzimmer im Trainingslager, mühelos gebrochene Streckenrekorde mit Fabelzeiten, Ex-Profis die von ihren Teams unter recht zweifelhaften Umständen ausgeschlossen wurden um dann in der Marathonszene zu dominieren – der Stoff reicht für ein Märchenbuch bei dem die Gebrüder Grimm vor Neid erblassen.

Prinzipiell kann man unterscheiden zwischen sauberen Rennfahrern mit viel und weniger Talent, Athleten mit wenig Talent die nachhelfen um die ersteren zu überflügeln und solchen mit Talent die dann Fabelzeiten zustande bringen. Woman sich selbst einreiht möchte ich jedem selbst überlassen. Viele von den Typen sind menschlich OK, da ist es dann doppelt schwer sich vorzustellen dass er bescheisst. Und man kennt sich ja zudem auch noch persönlich, das macht es noch schwerer und unangenehmer. Einige sind mir Wurscht, über die kann ich mich zwar ärgern, muss aber dann lachen über die Armseligkeit des Daseins. Ein paar sind echte Kotzbrocken, die ich nur zu gerne mit Namen öffentlich anpatzen würde.


Die Meinung hinter vorgehaltener Hand

Ja klar, es wird viel geredet unter den Radfahrern. Viel davon ist natürlich Blödsinn, Getratsche und Klatscherei. In jedem Sportler steckt auch ein kleines Waschweiberl. Die kritischen Stimmen allerdings werden aber immer häufiger, auch von Personen die selbst nicht mehr aktiv sind oder es erst gar nicht waren. Neid also ausgeschlossen. Offen auszusprechen wagt diese Anschuldigungen natürlich niemand. Beweise gibt es ja keine.

Sportstimme Othmar Peer gab über Facebook erst kürzlich folgendes zu Protokoll: „Mir tut das Thema auch richtig weh. Aber wo fängt man an? Die Veranstalter nehmen die hohen Kosten der Kontrolle nicht auf sich. Muss mir oft als Moderator auf die Zunge beißen, weil ich ja auch nicht blind durch die Gegend laufe. Aber da hört sich echt alles auf, wenn Du jede Hobbypartie auseinandernehmen musst – das kanns auch nicht sein. Aber diejenigen, die sich jetzt betroffen fühlen, sollten schon nachdenken, ob es den (auch finanziellen) Einsatz wert ist! Vom gesundheitlichen Aspekt will ich erst gar nicht reden.“

Ein Arzt, nicht unser allseits bekannter Onkel Doc Scheiring, meinte letztens nach einem Rennen zum Aussehen des Oberkörpers eines Fahrers beim Umziehen: „Der könnte sich auch Testosteron auf die Stirn tätowieren so eindeutig ist das.“

Ein Ex-Amateur meinte zu einem der derzeit erfolgreichsten Rennfahrer: „Ach der *******, als wir zusammen im Team waren, das war schon ein Verrückter. Nach dem Training einen Kilo Topfen, sonst nix gefressen. Einmal bin ich ins Zimmer gekommen da hat er gerade seine Spritze in den Arsch bekommen. Da weiss man dann schon dass der nicht nur wegen dem Topfen so schnell war.“

Besonders interessant sind Gespräche mit Kraftsportlern. Die geben ihre fehlenden Berührungsängste mit leistungssteigernden Substanzen unumwunden zu und plaudern auch über ihre Erfahrungen mit Ausdauersportlern recht offen wenn man sie darauf anspricht. Lustig dabei: für einen Kraftler ist so ein voller Radfahrer maximal ein harmloses Würschtl was den Treibstoff angeht.

Und was lernen wir daraus?

Erstmal lernen wir daraus gar nix gutes. Jemand betrügt ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Wo kein Kläger, da kein Richter.Würde man sich aber aber die Maxime „wer einen Betrüger erkennt und diesen nicht anpatzt, ist selbst ein Betrüger“ zu Herzen nehmen, würde sich wohl über kurz oder lang was ändern. Verweigert den Damen und Herren doch einfach die Anerkennung anstatt euch in deren Gesellschaft zu sonnen. Man muss jemanden nicht offen darauf ansprechen und ihn beschuldigen. Ich spreche nicht davon, in Zukunft keine Rennen mehr zu fahren. Das sollte man sich nicht von den schwarzen Schafen nehmen lassen. Wie wäre es aber, wenn man bei der Siegerehrung mal nicht applaudiert oder gar abwesend ist (behave!) und sich auf Facebook Kommentare wie „Suppa, du bisch da beschte!“ spart? Man muss die Leute ja nicht beleidigen, nicht mehr mit ihnen reden oder sie anspucken. Einfach nur höflich und bestimmt nicht applaudieren.

So, genug der Moral. Soll jedem selber überlassen sein, die Rolle des guten Onkels steht mir nicht 😉

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