28 km joggen – 10 km Rennen – 4 km leiden. So kann ich meinen ersten Marathon seit 8 Jahren kurz und bündig zusammenfassen. Nach einer nicht ganz optimalen Vorbereitung, mein Hauptziel war ja der Halbmarathon in Salzburg, bin ich sehr glücklich und zufrieden mein Maximalziel von 2:36 erreicht zu haben.

Als es am Sonntag vormittag langsam ernst wurde, war ich nichtmal so richtig nervös. Nachdem ich in den letzten Wochen von Schuhrandprellung über Zehennagelteilverlust, Rückenschmerzen und Kniebeschwerden die komplette „Maranoia“ durchgemacht hatte, war ich einfach nur froh dass es endlich losging.

Ich hatte mir vorgenommen mit meinem wesentlich erfahreneren Teamkollegen Günter Schneider, der im Vorjahr 2:34 geschafft hatte, die Sache vom Start weg gemeinsam zu probieren so lange ich die 3:40er Pace locker schaffen konnte. Nach hektischem Start war mir das Tempo das er in einer kleinen Gruppe anschlug, aber erwartungsgemäß ums Arschlecken zu schnell. Ich wollte auf keinen Fall riskieren zu früh zu schnell zu laufen und ließ Günter bei Kilometer 8 ziehen. Auch wenn der Puls immer rund um 165 und das Gefühl super war, die Splitzeiten waren stets ein paar Sekunden unter dem was ich mir vorgenommen hatte.

In der Folge lief ich allein mit 20-30 Sekunden Rückstand auf die Gruppe trotzdem stets um die 3:40, bis mich bei Kilometer 28 ein Pacemaker mit einer kleinen Gruppe überholte. Ich ordnete mich ein und rannte das etwas schnellere Tempo mit. Nachdem ich lange brav und locker dahingetänzelt war, musste ich jetzt ein wenig auf die Zähne beißen um nicht wieder aus der Gruppe rauszubrechen. Besser ein wenig zu schnell als ewig allein, so der Gedanke.

Bei Kilometer 31 wurde ich Zeuge des ersten Marathon-Opfers. Ein Läufer scherte aus der Gruppe rund um Günter knapp vor mir aus und kotzte eine unglaubliche Fontäne in grün-gelb neben die Straße. Nicht so ermutigend wenn einem selber noch vom kurz zuvor geschluckten Gel etwas schwer im Magen ist. Bei Kilometer 35 holte ich im Schlepptau „meines“ Pacemakers die Überreste von Günters Gruppe ein. Leider hatte ihn der berühmte Hammermann schon erwischt und er konnte nicht mehr mitlaufen. Bei Kilometer 38 ließ der Pacemaker dann selbst reißen. Die Italienerin die er begleitete, konnte nochmals das Tempo erhöhen, ich nicht. Wieder allein – Shice!

Auf den letzten 4 Kilometern bis ins Ziel folgte dann mein epischer Einbruch. Von einer Sekunde auf die andere ging gar nichts mehr. Faszinierend – irgendwie. Der ganze Körper fühlte sich an, als würde ich jeden Moment von Krämpfen geschüttelt und zuckend zusammenbrechen. Die Pace fiel von 3:40 bedrohlich Richtung 4:00. Mit dem Gedanken, nur durchhalten zu müssen um mein Ziel zu erreichen, blieb ich halbwegs ruhig und brachte die letzten sehr, sehr (also wirklich sehr!) langen Passagen hinter mich. Komplett fertig, sogar zu erschöpft um mich wirklich zu freuen, lief ich nach 2:36.12 in der Festhalle über die Ziellinie. Geschafft!

Unser Rückenwind-Betreuer Fredor rettete mir mit der Hilfe beim Niedersetzen und zwei Tetrapak wahrscheinlich das Leben. Der Weg zurück ins Hotel war nochmals ein Marathon für sich. Komplett durch den Wind (unterstützt von Kaffee und Bier) schleppte ich mich durch den Sonntag. Am Montag taten mir auf der Heimfahrt im Zug die Beine sogar im Sitzen weh. So richtig gut geht es mir heute auch noch nicht.

Trotz meines Einbruchs am Ende bin ich natürlich sehr zufrieden mit meiner Zeit, die ich mir als Maximalziel gesetzt habe. Ein bisschen Leiden gehört schon dazu, was wäre das sonst für ein Marathon? Mit nur einem langen Lauf über 30 Kilometer war ich wie erwartet nicht ganz optimal vorbereitet. Auch die Form und der Fokus gingen nach der ÖM Halbmarathon ein klein wenig verloren. Umso schöner, dass alles ganz wunderbar geklappt hat.

Erfreulich: Erstmals ist es nach einem Marathon NICHT so, dass ich sage: den Scheiss tu ich mir nie mehr an. So wie es aussieht, werde ich nächstes Jahr nochmals irgendwo einen laufen. Ob das dann die ÖM in Vorarlberg ist oder ein lässiger City Marathon… mal schauen. Jetzt erstmal mindestens 10 Tage regenerieren und GAR NIX tun – dann geht es hoffentlich flott Richtung 2017 🙂

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